Reisebericht: Wischgorod - Bila Zerkwa - Skvira im Oktober 2009
Anfang Oktober waren die beiden Vorstandsmitglieder Gisela Steinbach und Helmut Willnat in der Ukraine, um dort den Kontakt zu unsern Partnern zu pflegen, die Erfahrungen mit den diesjährigen Erholungsmaßnahmen in Deutschland und der Ukraine sowie den letzten Transporten abzurufen, die neuen Transporte vorzubereiten und unsere „Medikamentenkinder“ zu besuchen. Hier ist ihr Bericht:
Als wir am Samstagabend in Wischgorod ankamen, wurden wir von Lena Popowitsch und ihrer Familie herzlich begrüßt. Nach einem leckeren Abendessen brachten Lena und ihr Sohn Mischa uns in unser Quartier, welches diesmal das Gästehaus des Wischgoroder Wasserkraftwerks GAES war. Die Unterbringung war besser als in der Hoteletage des ehemaligen Technischen Instituts und billiger.
Am Sonntagmorgen begannen wir mit den Besuchen bei unseren „Medikamentenkindern“ und wurden dabei von „unserem“ Übersetzer Aljoscha Doroschenko unterstützt. Wir können ruhig sagen, dass er „unser“ Übersetzer ist, denn uns verbindet seit vielen Jahren eine herzliche Freundschaft. Die neuen Informationen zu den Kindern und die Bilder sind auf der entsprechenden Seite der Homepage eingearbeitet. Außerdem haben alle Unterstützer bereits einen entsprechenden Bericht erhalten.
Der Sonntagnachmittag war bis zum Abend unserem Treffen mit den Bereginja-Mitarbeiterinnen vorbehalten. Auch hier war Aljoscha dabei. Diesmal trafen wir uns auf der Datscha von Irina. Natürlich hatten alle anderen wie üblich ihren Anteil am Essen mitgebracht. Wer schon einmal eine
Gastelternreise mitgemacht hat, kennt die Gastfreundschaft.
Wir bestellten die Grüße, die wir aus Deutschland mitbekommen hatten und zuerst wurden die neusten Familienneuigkeiten ausgetauscht.
Wir besprachen dann die diesjährige Kindererholung in Kierspe und Umgebung und tauschten die Erfahrungen der Gasteltern und der Gastkinder und deren Eltern aus. Wir hatten zu Hause einen bebilderten Info-Flyer auf Ukrainisch entwickelt, den wir in ausreichender Stückzahl Bereginja übergaben und den die Frauen mit Begeisterung aufnahmen. Er hält all das schriftlich fest, was sie den Eltern der Gastkinder zur Vorbereitung auf die Reise mitteilen. Die Mitarbeiterinnen freuten sich, dass diese Informationen jetzt von uns Deutschen vorliegt und somit höhere Autorität genießen dürfte, als ihre mündlichen Aussagen.
Der nächste Transport im Dezember kann ankommen. Das Lager ist bereit. Wir werden die erforderlichen Unterlagen so schnell wie möglich schicken, damit die Genehmigung beantragt werden kann.
Die Bereginjafrauen lassen alle Freunde in Deutschland ganz herzlich grüßen.
Am nächsten Tag besuchten wir auch die Familie Bostan. Viktor und Ludmila erleben die Pubertätsprobleme ihrer Kinder dadurch verstärkt, dass sie alle gleichzeitig in diesem Alter sind und dass außerdem jetzt viele Probleme aus frühkindlichen Schädigungen aufbrechen. Sie stellen sich mit großem Mut und Zuversicht diesen Problemen, aber die fehlende Unterstützung durch die Behörden erschwert die Situation zusätzlich.
In dem kleinen Ort Dymer/Kreis Wischgorod besuchten wir Tanja und Vladimir Reschetnik, die im Sommer eine Erholungsfreizeit für ca. 30 Kinder in den Karpaten durchgeführt hatten. Sie waren sehr begeistert und gaben uns Bilder und eine Präsentation mit, damit wir darüber weiterberichten können. Den Bericht finden sie hier.

Wir haben den starken Eindruck, dass wir in ihnen Partner haben, die sich nicht nur selbst für die Kinder einsetzen, sondern die in der Lage sind, Mitarbeiter an diese Arbeit heranzuführen. So wurde die diesjährige Maßnahme in wesentlichen Teilen von jungen Leuten durchgeführt. Sie waren sehr froh über diese Erleichterung.
Wir besuchten auch die Mitarbeiter in Katjushanka und tauschten uns über die Erfahrung mit den Kindererholungsmaßnahmen aus.
In Bila Zerkwa besuchten wir wieder Pastor Stepan Gubatij, der uns Bildmaterial über die Verteilung der letzten Hilfsgüter übergab und berichtete, dass die Gemeinde mit den Hilfsgütern mehr als 300 Familien helfen konnte. Mehr dazu hier.
Wir überlegten, wie wir die Abwicklungszeiten reduzieren könnten, die durch eine überaus bürokratische Zollabfertigung vor Ort verursacht werden. Wir hoffen, dass wir beim nächsten Mal keine Standgebühr für den LKW mehr zahlen müssen.
In Skvira besuchten wir Aleksandr Levtschenko, der dort zur Zeit die Hilfsgüter des Juli-Transports verteilt. Sein Schwerpunkt sind bedürftige kinderreiche Familien. Lesen Sie mehr auf der entsprechenden Seite unserer Homepage. Er berichtete, dass der Presseartikel, der über unseren letzten Besuch veröffentlicht worden war, ihm auch bei den Behörden neue Türen geöffnet hatte. Damals hatte uns eine Reporterin eingehend nach Motivation und Gestaltung unserer Arbeit befragt. Sie war anfangs skeptisch gewesen, war aber im Laufe des Gesprächs immer offener geworden und hatte einen sehr positiven Artikel in der örtlichen Presse verfasst.


An einem Abend luden wir unseren Dolmetscher Aleksej Opanasenko mit seiner Frau zum Essen ein, der bei der diesjährigen Kindergruppe als Dolmetscher dabei gewesen war und der uns dabei sehr geholfen hatte. Wir hatten einen gemütlichen Abend zusammen und konnten seine Frau näher kennen lernen. Er hatte uns im Sommer bereits gesagt, dass er bereit wäre wieder eine Gruppe zu begleiten. Wir fanden das jetzt auch von seiner Frau unterstützt. Aleksej hatte uns als Dolmetscher nach Bila Zerkwa und Skvira begleitet und hatte auch den Flyer übersetzt, den wir Bereginja übergeben hatten. Seine Frau, die eine Ausbildung zur Lektorin macht, hatte dem Flyer den letzten Schliff gegeben.

Es ist eine sehr schöne Erfahrung, in der Ukraine immer wieder auf Menschen zu treffen, die sich für andere einsetzen, ohne selbst einen Verdienst davon zu haben. Diese Menschen sind der größte Schatz der Ukraine und sie werden einen großen Anteil daran haben, wenn sich das Land positiv entwickeln sollte. Sie gelten bei den aufstrebenden Jungmanagern im eigenen Land nicht viel, weil sie aus ihrer Mühe und Arbeit keinen Profit schlagen, aber sie sind ein Segen für die Benachteiligten. Für uns sind sie wertvolle Freunde und Partner, die wir nicht mehr missen möchten. Sie bereichern unser Leben.

Der optische Eindruck im Straßenbild, der optische Eindruck in den großen Städten und oberflächliche Betrachtung spiegeln eine sich heftig entwickelnde Ukraine vor. Schaut man aber hinter die Fassade, dann zeigen sich
brüchige Strukturen und Instabilität. Wenn man bedenkt, dass wir seit Mai dieses Jahres einen Kursverfall von 20 % erlebt haben, dann wirft das ein klares Licht auf die wirtschaftliche Entwicklung.
Da wir als Zielgruppe für unsere Hilfstransporte und die Medikamentenhilfe die Menschen am unteren Ende der Sozialskala haben, werden wir noch viele Jahre Hilfe leisten müssen neben der gesundheitlichen Unterstützung für strahlengeschädigte Kinder.
