Bereginja besuchte uns in Kierspe
1. Tag
In diesem Jahr verzichteten wir auf die Herbstreise des Vorstands nach Wischgorod und luden stattdessen die Mitarbeiter von Bereginja zu uns nach Kierspe ein. 9 Personen folgten dieser Einladung. Sie trafen am Nachmittag des 30. September auf dem Flugplatz in Dortmund ein und wir holten sie dort ab. Alle trugen gelb-blaue Schleifen und erklärten uns damit deutlich machen zu wollen, dass die Ukraine als eigener Staat wahrgenommen werden und nicht als Spielball anderer Mächte dienen will.
Als Erstes ging es in die jeweiligen Quartiere, welche unsere Partner bei verschiedenen unserer Mitarbeiter bezogen. Wegen der bereits seit über 20 Jahre bestehenden Zusammenarbeit und Freundschaft war die Unterbringung kein Problem. Man kennt sich.
2. Tag
Am nächsten Tag begannen dann sowohl die Arbeit als auch das Vergnügen. Der Vormittag begann mit einem Pressegespräch. Die hiesige Zeitung hatte einen neuen Mitarbeiter, der uns noch nicht besucht hatte und der großes Interesse hatte, die Mitarbeiter unseres Partnerverein aus der Ukraine kennen zu lernen.
Wir trafen uns bei Gisela Steinbach zu Hause und die ukrainischen Freunde erschienen überwiegend in Trachtenblusen. Ausührlich konnten wir dem interessierten Journalisten sowohl die Arbeit unseres Vereins im Märkischen und dem Oberberischen Kreis vorstellen als auch erläutern, welchen Anteil an dieser Arbeit unser Partner Bereginja in Wischgorod übernimmt. Es wurde deutlich, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Bereginja genauso ehrenamtlich arbeiten wie wir.
Natürlich interessierten wir Deutsche uns für die politische Situation in der Ukraine und wie diese sich im Alltag der Freunde auswirkt. Sie erzählten uns, dass der unmittelbare Ablauf des Alltags eigentlich nicht davon berührt wird, weil Wischgorod und Kiew weit von dem Kriegsgeschehen entfernt sind. Man merkt die Situation allerdings in deutlich gestiegenen Preisen aller Importwaren wegen des gefallenen Wechselkurses. Diese Preissteigerungen, unter anderem beim Benzin, beeinflussen indirekt die leicht gestiegenen Preise bei einheimischen Nahrungsmitteln auf den Märkten. Außerdem gibt es in Wischgorod einige Familien, die aus den östlichen Gebieten der Ukraine geflohen sind und in jeder Schulklasse sitzen mittlerweile Kinder aus diesen Familien. Leider ist die Versorgung dieser Familien nur unzureichend geregelt und sie leben unter schwierigen Bedingungen. Sie kommen bei Verwandten und Freunden unter und es gibt Wohnungseigentümer, die ihnen Wohnungen zur Verfügung stellen.
Am meisten bewegt unsere Freunde allerdings die Angst, dass ihre Männer und erwachsenen Söhne zum Militär eingezogen werden könnten.
Die Meinerzhagener Zeitung brachte auf der Basis dieses Gesprächs einen sehr guten großen Artikel über diesen Besuch.
Am Nachmittag besuchten wir die Kiersper Tafel, die vom Verein "Hand in Hand" betrieben wird. Dort schauten sich die ukrainischen Freunde die Arbeit in der Kleiderkammer, in der Lebensmittelausgabe und in der Vorratskammer an. Vielleicht ist das ja ein Konzept, das auch in der Ukraine umgesetzt werden könnte um die Hilfe für die Bevölkerung nicht ausschließlich vom Ausland abhängig zu halten.
Nach diesem Besuch ging es in die Kiersper Sportanlagen zum Fußballgolf. Das kannten die Freunde noch nicht und sie begaben sich mit viel Spaß auf den Parcours - trotz des etwas ungünstigen Schuhwerks.
Am Abend folgte dann eine Arbeitssitzung unseres Vorstandes mit einigen Mitarbeitern von Bereginja. Wir besprachen alle anstehenden Fragen, insbesondere die Fragen des Hilfstransports, der Kindererholung und der Medikamentenkinder. Wir konnten spontan einen Termin für den Abreisetag vereinbaren, um die Frage der Hilfstransporte mit dem Missionswerk Friedensstimme in Marienheide und das weitere Vorgehen bei dieser Angelegenheit zu klären. Da in diesem Missionswerk Russisch fast die Muttersprache ist, war die Verständigung perfekt gewährleistet und es war gut, dass beide Partner sich kennen lernen konnten.
3. Tag
Die Freunde hatten sich gewünscht, alte Städte in Deutschland sehen zu können. Da einige Mitarbeiter unseres Vereins mit Aachen verbunden sind, besuchten wir am Donnerstag diese Stadt. Antje Krings-Hawlina hatte gute Kontakte in Aachen und erreichte, dass die CDU in Aachen uns mit Geldzuwendung einen gemütlichen Tag in Aachen ermöglichte. Ganz herzlichen Dank dafür! Frau Annelore Einmahl bot uns eine kompetente und interessante russischsprachige Führung durch die Altstadt von Aachen und erläuterte uns Einiges aus der Historie. Da die Ukraine nur Anfang des 20. Jahrhunderts für etwa 20 Jahre selbstständig war und dann erst wieder ab 1991, ansonsten aber über Jahrhunderte fremdbestimmt war und keine eigene Identität entwickeln konnte, verfügt sie auch nicht über viele derart alte Baudenkmäler wie Deutschland. Daher war es für unsere Freunde wirklich ein großes Erlebnis, solch alte Stätten zu besuchen die heute noch mit Leben erfüllt sind.
4. Tag
Der Freitag wurde wieder halboffiziell, denn wir besuchten Marienheide, den Ort, in dem außer in Kierspe die Halbtagsbetreuung unserer Kindergruppe stattfindet. Wolfgang Theunissen führte uns auf einen kleinen Rundgang durch diese alte Bergische Stadt, zeigte uns die wichtigsten historischen Punkte und auch das katholische Gemeindehaus, in dem die Betreuung stattfindet. Es wurde deutlich, wie unterschiedlich die Stadtbilder kleiner Städte in der Ukraine und in Deutschland sind.
Bei einer kleinen Rundfahrt durch die Umgebung von Marienheide bewunderten die Freunde die wunderschöne Landschaft. Schloss Gimborn regte zu einer ausgiebigen Fotosession mit Selfies an, bei der die Handys heißliefen. Die historische Sammlung des Drehorgelmuseums in Marienheide Kempershöhe beindruckte die musikbegeisterten Ukrainer und die Lambachpumpe fand großes Interesse bei den Ingenieurinnen unter den Besuchern.
Der Tag wurde mit einem gemütlichen Mitarbeitertreffen unseres Vereins abgeschlossen, das wir terminlich so gelegt hatten, dass unsere und die Mitarbeiter von Bereginja sich kennen lernen konnten. Viele persönliche Kontakte bestehen bereits seit langem aber es gibt immer wieder Änderungen in der Zusammensetzung der beiden Partner. Auch bei diesem Treffen interessierte die persönliche Situation der Freunde im Hinblick auf die Krisensituation in der Ostukraine.
5. Tag
Nach einer Hindernis-Bahnfahrt mit zweimaligem Umstieg Bahn/Bus/Bahn, dem Überblick über Köln vom Triangelpanorama und dem Gang über die Hohenzollernbrücke trafen wir am Samstag unsere ehemalige 2. Vorsitzende Gisela vom Hofe. Sie hatte nach Köln eingeladen und eine besondere Führung zu Plätzen versprochen, die man sonst nicht so schnell kennen lernt. Tatsächlich war es auch für uns Deutsche, die wir dabei waren neu, die Grundmauern des alten Kaiserpalastes, Tünnes und Schäl, das Ostermann-Denkmal und andere eher versteckte Schätze Kölns kennen zu lernen. Für den längeren Rundgang hatten wir uns vorher in einem netten Brauhaus mit einer schmackhaften Suppe gestärkt. Natürlich schauten wir auch kurz in den Dom, aber weil gerade ein Gottesdienst lief hielten wir uns nicht lange dort auf. Als Abschluss gönnte man sich einen kleinen Rundgang durch Geschäfte in der Hochstraße, die an diesem Wochenende nur schiebenderweise zu begehen war.
6. Tag
Am Sonntag stellten sich die ukrainischen Mitarbeiter kurz im Gottesdienst der Freien Ev. Gemeinde in Kierspe vor. Diese Gemeinde stellt uns jedes Jahr die Räume für die Kinderbetreuung zur Verfügung.
Den Nachmittag verbrachten die Freunde jeweils bei ihren Gastfamilien. Das schöne Wetter, das wir den ganzen Besuch über hatten, trug sehr zu der guten Stimmung bei und wir alle genossen dies seltene Treffen.
7. Tag

Als Ergänzung zum Besuch in Aachen und gleichzeitig als kleines Kontrastprogramm zeigten wir den Freunden ein altes Bergisches Stadtbild, nämlich Solingen-Gräfrath. Dies schmucke Städtchen löste wieder großes Entzücken aus und die Handy-Kameras traten in Aktion. Der leckere Reibekuchen im dortigen "Kaffeehaus" stärkte uns für den Besuch auf Schloss Burg, der ausgiebig genossen wurde. Die verschiedenen Abteilungen dieses Museums durchliefen wir mit großem Interesse.
Als Abschluss machten wir noch einen Abstecher zur Müngstener Brücke. Dies Bauwerk versetzt immer wieder in Erstaunen und fasziniert.
Am Abend hatte Margit Ohm, eine der Betreuerinnen unserer Kleiderkammer zum Essen eingeladen. Diesen letzten Abend des Besuchs verbrachten wir in schöner gemütlicher Runde. Es ist selten, dass uns unsere Freunde in Kierspe besuchen können.
Bei dieser Gelegenheit ist zu erwähnen, dass die Ukrainer ihre Reise selbst bezahlten und dass sowohl die Unterbringung als auch die Kosten des Besuchsprogramms von Kiersper und Meinerzhagener Mitarbeitern unseres Vereins übernommen wurden. Es wurden keinerlei Vereinsmittel dafür aufgewendet.
7. Tag

Nachdem jede der Besucherinnen am letzten Vormittag noch die "dringendsten" Geschenke für die Lieben daheim eingekauft hatte und Lena Popowitsch das Abstimmungsgespräch mit dem Missionswerk Friedensstimme hatte führen können, war der Abschied angesagt. Wir brachten die Freunde zum Flugplatz und sie traten die Rückreise an. Alles verlief reibungslos und sie kamen gut zu Hause an.
Wir freuen uns auf das Wiedersehen im Mai 2015, wenn wir unsere Gastelternreise dorthin unternehmen werden.
