Interkulturelles Schülergespräch

Acht Kinder unserer ukrainischen Kindergruppe trafen am 4.7.2011 Kinder der Klassen 4a und 4b der Adolf-Kolping-Schule in Lüdenscheid. Eine Schülerin hatte die Idee gehabt, Kindern, denen es nicht so gut geht wie den Kindern hier in Lüdenscheid, etwas zu spenden. Zusammen mit ihrer Mutter überlegte sie, wie und was man machen könnte. Da stießen sie auf den Artikel in der Zeitung, dass der Verein "Kinder von Tschernobyl" Gasteltern suchte. Sie dachten sich, dass sie diesen Kindern, die dann hierher kommen würden, etwas Gutes tun möchten. Zunächst nahmen sie Kontakt auf zu Günther Fresen, Gastelternbetreuer für Lüdenscheid. Der verwies sie an Gisela Steinbach. Die meinte, man könne die Geldspende für einen Ausflug nach Köln verwenden. Zusammen entwickelte man die Idee, dass die deutschen Kinder auch sehen sollten, für wen sie spendeten. Also plante man, mit einigen ukrainischen Kindern eine Schulstunde der Klasse zu besuchen um den Kindern die Möglichkeit zu geben sich kennen zu lernen.
Nach einer kurzen Einleitung durch Frau Latifei-Cicek, die mit ihrer Tochter die Idee entwickelt hatte, erklärte Gisela Steinbach den deutschen Kindern, warum die ukrainischen Kinder hier sind, nämlich um sich zu erholen von der ständigen radioaktiven Belastung in ihrer Heimat. Von Tschernobyl hatten die Lüdenscheider Kinder noch nichts gehört, so dass Frau Steinbach auch dazu etwas Erklärendes sagen musste.

Die Kinder wollten nun zunächst wissen, woher die Gäste kommen, was man ihnen gut anhand der dort aufgehängten Europakarte zeigen konnte. Die Gastkinder stellten sich vor mit Namen, Alter, welches Schuljahr und aus welchem Dorf sie stammen. Dann ging man in die Fragerunde. Es stellte sich heraus, dass alle Kinder, die deutschen wie die ukrainischen, viele Fragen hatten zu den gegenseitigen Lebensumständen, zum Schulsystem der anderen, zu den Freizeitbeschäftigungen, zu den fremden Essgewohnheiten, ob Haustiere vorhanden sind usw. Besonders interessierte die Kinder der 4. Klasse, wie die Ukrainer sich hier in deutschen Familien verständigen können und ob sie nicht ihre Mütter vermissten. Einhellig meinten die Gäste dazu, dass sie sich ganz gut verständigen können mit Wörterbuch, mit Händen und Füßen, das wäre kein Problem. Ja, ihre Mütter würden sie natürlich vermissen, aber sie würden hier so viel erleben, dass sie tagsüber keine Zeit hätten daran zu denken. Abends käme dann doch schon mal das Heimweh. Doch sie würden manchmal nach zu Hause telefonieren und das hülfe ihnen darüber hinweg. In den deutschen Familien fühlten sie sich sehr wohl und einige behaupteten sogar, dass ihnen die deutsche Küche besser schmecken würde als die ukrainische.
Wie im Fluge vergingen die 45 Minuten und wir mussten regelrecht die rege Unterhaltung der Kinder unterbrechen. Sie hätten so noch lange fragen und antworten wollen.
Zuletzt überreichten sie uns noch 165 €, die sie für die Gäste zusammengelegt hatten. Die meisten Kinder hatten wirklich ihr Taschengeld dafür geopfert, bei manchen hatten die Eltern noch etwas dazu getan. So ist der Ausflug nach Köln gesichert und für alle 51 ukrainischen Kinder wird es auch noch ein Eis geben.
Diese kleine Aktion war wirklich ein Beitrag zur Völkerverständigung. Es zeigte sich wieder einmal, dass Kinder ganz unvoreingenommen Kindern aus anderen Ländern begegnen und sie es ganz spannend finden, über sie und ihre Lebensumstände mehr zu erfahren.
